Der „Sifonier“ – oder wie ich fast an einem Schrank verzweifelte
Nach unserer Rückkehr nach Rumänien war es eine große Umstellung für mich. Ich war noch sehr jung, als wir nach Deutschland gezogen sind. Ich hatte meine ersten drei Schuljahre in Deutschland verbracht und kannte Rumänisch nur aus der Familie – ohne jede Form von Grammatik oder Literatur und mit einem beschrenkten Wortschatz.
Eines Tages stolperte ich über ein kleines Stück Transparentpapier. Sofort hatte ich eine geniale Idee: Das perfekte Material zum Zeichnen! Voller Euphorie marschierte ich zur Küche, wo meine Mutter gerade mit etwas beschäftigt war. Ich öffnete die Tür nur einen Spalt, streckte meinen Arm samt Papier hinein und fragte durch den Türspalt:
„Wo finde ich sowas?“
Meine Mutter, die sich wohl über mein mysteriöses Auftreten wunderte, antwortete trocken auf Rumänisch: „Găsești o rolă în dormitor, după sifonier“ („Du findest eine Rolle im Schlafzimmer, neben dem Schrank“).
Eine ganze Rolle? Jackpot! Ich sprintete ins Schlafzimmer, bereit, einen Schatz zu heben. Doch dann stand ich mitten im Raum und starrte mich ratlos um. Sifonier? Was sollte ein Sifonier sein?
Also rannte ich wieder zurück in die Küche und fragte meine Mutter verzweifelt:
„Was ist ein Sifonier?!?“
Sie seufzte, und sagte dann auf Deutsch: „Schrank.“
„Achsoooooo!“ Mit dieser lebensverändernden Erkenntnis sprintete ich ins Schlafzimmer, zum Schrank, und holte voller Stolz meine Schatz hervor.